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Selbstorganisation: Zeitmanagement vs. Freiheit

Immer wieder hören wir von Zeitmanagement, Selbstorganisation, plane und strukturiere deinen Tag. Egal ob als Unternehmens-Manager*in, als Selbständige*r oder als Familienmanager*in. Mit einer guten Struktur und Selbstorganisation lässt sich Job, Familie, Kinder, Haushalt, Freunde, Freizeit… wunderbar meistern, so heißt es.

Viele Betroffenen erzählen mir im Coaching dann allerdings, dass sie immer wieder an Grenzen stoßen. An Grenzen, weil sich das Leben einfach nicht absolut detailliert planen und organisieren lässt. Oder wie es im Lied von John Lennon heißt: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“

Selbstorganisation und Zeitmanagement im Selbstversuch

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, obwohl es schon viele Jahre her ist. Als Mutter von 2 Söhnen und Assistentin der Geschäftsleitung hatte ich jede Menge Aufgaben, die täglich von mir erledigt werden wollten. Ich möchte behaupten, ich hatte durchaus ein gutes Zeitmanagement. Mein Tag begann meist sehr früh, so gegen 5:30 Uhr. Doch meine Morgenroutine war mir das Wert. Eine halbe Stunde für mich, bevor der Rest der Familie aufwachte, gab mir Kraft für den Tag. Danach folgte ein gut durchgetaktetes Programm mit Frühstück, Kinder bei ihrer Morgentoilette unterstützen, Kinder entweder zu den Großeltern, in die Kita oder in die Schule bringen und zur Arbeit fahren. Nach der Arbeit die Kinder wieder abholen, Zeit für Hausaufgaben und/oder Unternehmungen mit den Kindern, die Kinder zum Sport oder zum Musikunterricht bringen, Abendbrot, Kinder ins Bett bringen, Hausarbeit… 

Es funktionierte durchaus gut, bis auf die vielen Ausnahmen! Das waren dann diese Tage, an denen die Kinder krank waren, die Kita wegen Läusen und die Schule wegen pädagogischem Tag geschlossen blieb, Unterricht unvorhergesehen ausfiel, das Auto nicht ansprang, das Haustier ausgebüchst war und noch so manches mehr. Eben diese Situationen, in denen das Leben einfach passiert…

Mit Flexibilität, Improvisation und Ideenreichtum haben wir dann auch diese Ausnahmen meistens hingekriegt. Was uns dabei sehr nützlich war, war ein gutes Netzwerk, das aus Großeltern und Freunden bestand.

Mein Zeitmanagement geriet ins Wanken

Es waren die kleinen Momente, die mein Zeitmanagement immer mehr ins Wanken brachten. Kleine Momente, bei denen ich immer öfter das Gefühl hatte, es zerreißt mir das Herz…

Es waren diese Momente, wenn beispielsweise mein 5jähriger Sohn im Garten die Ameisen und Käfer mit einer Hingabe beobachtete und ich ihn dann regelrecht wegzerren musste, weil wir sonst zu spät gekommen wären. Oder, wenn ich meinen 7jährigen Sohn aus seinem vertieften Legospiel herausreißen musste, weil es Zeit war zur Schule, zum Sport oder zum Musikunterricht zu gehen. 

Und so gab es viele Momente, in denen ich das Leben, das gerade passierte unterbrechen musste, um unseren Zeitplan einhalten zu können. In diesen Momenten hinterfragte ich mein Zeitmanagement immer kritischer. Leider dauerte es dann noch eine ganze Weile, bis ich schlussendlich erkannte, dass mit meinem ganzen Zeitmanagement das Leben, das im Hier und Jetzt passiert komplett auf der Strecke blieb.

„Zeitmanagement ist Unsinn. Sie können die Zeit nicht managen – nur Ihr Verhalten.“ — Michael Kastner - Lebensfreude-Academy

Struktur und Freiheit – sind das nicht Gegensätze?

So wie ich damals auch, sind viele davon überzeugt, dass sie nur gut strukturiert durch ihren Alltag kommen. Sie sind der Meinung, dass sie es nur schaffen, wenn sie sich der Struktur unterordnen. Die Freiheit im Sinne von „Raum zulassen für spontanes Leben“ verschieben die Meisten auf den Urlaub. Im Urlaub erlauben sie sich dann vielleicht auch mal frei in den Tag hinein zu leben, ohne im Vorfeld alles bis ins Detail zu planen. Das geht dann meistens auch schief…

Heraklit sagte einst: „Die schönste Harmonie entsteht durch das Zusammenbringen der Gegensätze.“ Unser ganzes Leben basiert auf dem Zusammenspiel dieser Gegensätze. Unser Organismus funktioniert nur, wenn sich der Herzmuskel an- und wieder entspannt. Ohne Nacht gibt es keinen Tag ohne heiß kein kalt… ohne Struktur keine Freiheit!

Dies würde ja bedeuten, um uns wahrhaft lebendig fühlen zu können, brauchen wir beides…

Eine gewisse Struktur, mit der wir uns organisieren, die aber auch Freiheit zulässt. Eine Freiheit, die Raum lässt für das Leben, das im Augenblick passieren darf, ohne von einem durchgetakteten Zeitplan unterdrückt zu werden.

Freiheit entsteht innerhalb der Struktur

Wie aber können wir uns diese Struktur schaffen in der gleichzeitig genügend Freiheit bleibt, innerhalb der spontanes Leben geschehen darf?

Mir hat damals die Achtsamkeit die Augen geöffnet und mich zum Umdenken inspiriert. Die Achtsamkeit lehrte mich, im Hier und Jetzt zu leben, und dass ich nur in diesem Augenblick entscheiden und handeln kann. Ich lernte, mich im Laufe des Tages immer wieder im Hier und Jetzt zu zentrieren und mich in diesem Augenblick, mit allem was in diesem Moment da ist, zu beobachten.

Immer mehr erkannte ich, dass wir, wie oben bereits im Zitat von Michael Kastner erwähnt, nicht die Zeit, sondern nur unser Verhalten managen können. Die Zeit vergeht immer gleich: 60 Minuten in einer Stunden, 24 Stunden am Tag. Die Frage ist doch, womit wollen wir diese Zeit füllen? Was ist uns wirklich wichtig?

Meine Selbstorganisation unter dem Prüfstand

Es war vor allem diese Frage, die mich sehr beschäftigte und mein Umdenken angestoßen hat:

  • Warum mache ich das, was ich in diesem Moment mache?

Meine Antworten schockierten mich: 

  • Ich will nicht anecken.
  • Ich will es meinem Chef, meinem Partner etc. recht machen…
  • Ich will dazugehören und noch so manches mehr.

Ich fragte mich weiter:

  • Erfüllt mich das, was ich in diesem Moment mache?
  • Tut es mir gut?
  • Wem nutzt es oder für wen mache ich das, was ich im Augenblick mache?

Durch meine Antworten auf diese Frage lernte ich nach und nach, das für mich Wichtige von Unwichtigem zu unterscheiden und mein Verhalten entsprechend anzupassen.
Meiner Struktur und meinem Zeitmanagement lagen nun also nicht mehr die Aufgaben zugrunde, sondern meine Werte. Dazu war es natürlich auch notwendig, mir meiner Werte bewusst zu werden. Diese wertebezogene Form der Selbstorganisation gab mir von nun an die Freiheit, dem Leben und dem, was mir wirklich wichtig ist, mehr Priorität zu geben. 

In dem Moment, in dem uns bewusst wird, weshalb und wofür wir das tun was wir tun, fühlen wir uns handlungsfähig und frei. Dadurch können wir auch bewusst, gemäß unserer Werte entscheiden was wir tun wollen und wann wir es tun. Wir fühlen uns nicht mehr den vielen Aufgaben und Anforderungen ausgeliefert, sondern können uns für das entscheiden, was uns wichtig ist. Wir haben die Wahl und schaffen uns damit eine Freiheit innerhalb der Struktur.

Achtsame Selbstorganisation im Alltag

Natürlich ist es sinnvoll und notwendig, vorausschauend zu denken und seine Aufgaben zu planen. 

Für die achtsame Selbstorganisation gilt es erst einmal einen Schritt zurück zu treten, einen Blick auf sein Leben zu richten und sich klar zu machen, welche Aufgaben man zu diesem Zeitpunkt erfüllt und aus welchen seiner Rollen sie entwachsen. 

Um nochmal zurück zu kommen auf mein oben genanntes Beispiel, erkannte ich damals, als Mutter von minderjährigen Kindern, dass die Familie einen sehr hohen Wert bei mir besaß. Einen weitaus höheren Wert als Erfolg und Karriere. Das bedeutete für mich, dass mir die Aufgaben für und die Zeit mit meinen Kindern wichtiger waren als die Aufgaben in der Firma. Dementsprechend fiel mir die Antwort auf die Frage meines Chefs, ob ich länger bleiben könnte, nicht schwer. Ich sagte ihm klar, dass es ganz bestimmt ausreicht, wenn diese Aufgabe gleich am nächsten Morgen erledigt wird und ich jetzt heimgehe zu meinen Kindern. Die eigenen Werte können sich je nach Lebenssituation verändern. So auch bei mir. Als meine Kinder älter und selbständiger wurden, rutschte mein Wert für berufliche Erfüllung nach oben.

Deshalb ist es wichtig, sich seiner Werte und auch der Priorität der einzelnen Werte zum jeweiligen Zeitpunkt bewusst zu sein. So schaffst du dir eine Struktur, indem du die einzelnen Aufgaben und Anforderungen entsprechend deiner Werte gewichtest.

Wenn zwei oder mehrere Werte die gleiche Priorität haben

Es kann vorkommen, dass zwei oder mehr deiner Werte die gleiche Priorität bei dir haben. Dann kann es schwierig werden, wie du die Aufgaben und Anforderungen in den unterschiedlichen Bereichen gewichtest. Möglicherweise versuchst du dann, alles wieder gleichermaßen unter einen Hut zu bekommen und du findest dich in deinem alten Denkmuster und im bisherigen Zeitmanagement wieder. Auch hier gilt es, sich diesen „Werte-Konflikt“ erst einmal bewusst zu machen. 

Vielleicht ist dir deine berufliche Karriere und deine Familie gleich wichtig. Schau dir die Aufgaben und Anforderungen der einzelnen Bereiche an. Wo kannst du vielleicht eigene Ansprüche herunterschrauben? Wo kannst du Aufgaben abgeben und dir eventuell Unterstützung holen, um Freiräume für dich zu ermöglichen? Wichtig ist auch eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten. Denn, wenn es nicht richtig kommuniziert wird, könnte es die Familie so deuten, dass Papa kein Interesse an der Familie hat, wenn er immer so lange im Büro ist. Was zu zusätzlichen Herausforderungen führen kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich dir das Zitat von Gunter Schmidt mit auf den Weg geben:

„Du kannst dann mit dir zufrieden sein, wenn es dir gelingt, dass alle wichtigen Personen in etwa gleich unzufrieden sind.“

– Gunter Schmidt –

Achtsame Selbstorganisation

Im Sinne der achtsamen Selbstorganisation gilt es einen wohlwollenden Blick auf das zu richten, was du erledigt hast und dich selbst dafür anzuerkennen und zu honorieren. Auch dann, wenn es beispielsweise „nur“ das Beobachten deines Kindes beim Spielen oder Zeit für soziale Medien ist. Räume dir in deiner Struktur auch dafür ein Zeitfenster ein 😉.

Sehr gerne unterstützen wir auch dich bei deiner achtsamen Selbstorganisation, beim Herausfinden deiner Werte-Hierarchie und falls notwendig beim Lösen von Werte-Konflikten.

Sylvia & Michael

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3 Kommentare zu „Selbstorganisation: Zeitmanagement vs. Freiheit“

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