Meine Erfahrungen mit dem Thema "Mutter-Schmerz" - wenn mütterliche Liebe keinen Ort findet
Oft erzählen mir Frauen von Situationen, wie dieser: „Es passiert ganz plötzlich. Du sitzt in einer fröhlichen Runde mit Freundinnen oder Kolleginnen. Es wird gelacht. Fotos werden gezeigt. Jemand erzählt von der Einschulung der Tochter. Eine andere verdreht liebevoll die Augen über ihren pubertierenden Sohn. Und du lächelst mit, während sich gleichzeitig tief in dir etwas zusammenzieht. Du reißt dich zusammen und sagst dir selbst, dass du dich doch einfach mitfreuen solltest…, aber stattdessen überkommt dich eine tiefe Traurigkeit.“
Diese Traurigkeit, von der mir die Frauen berichten ist ein tiefer Schmerz, wie eine Erinnerung oder eine Sehnsucht an etwas, das nie entstehen durfte oder an etwas, das verloren gegangen ist. Es ist ein Schmerz, für den es kaum Worte gibt. Ich nenne ihn den Mutter-Schmerz.
Was ich Mutter-Schmerz nenne
Mutter-Schmerz ist meist ein tiefer emotionaler Schmerz rund um das eigene „Muttersein“. Es ist ein Schmerz, der entsteht, wenn mütterliche Liebe keinen Ort findet, an dem sie gelebt, empfangen oder gehalten werden kann oder wenn sie zurückgewiesen wird. Er kann sich mit einem Ziehen im Herzen äußern, wenn andere von ihren Kindern erzählen, mit einem Kloß im Hals, wenn Freunde ihre Familienbilder zeigen oder beim Anblick von glücklichen Müttern mit ihren Kindern.
Viele Frauen tragen diesen tiefen Schmerz still in sich. Oft über Jahre hinweg. Manche ein Leben lang. Und dennoch wird kaum darüber gesprochen. Viele schämen sich dafür oder geben sich gar selbst die Schuld an ihrer Situation.
Welche Frauen tragen Mutter-Schmerz in sich?
Mutter-Schmerz hat viele Gesichter. Er begegnet mir bei Frauen, die sich von Herzen ein Kind gewünscht haben, bei denen es aber nie geklappt hat. Viele von ihnen haben oftmals einen langen physischen und psychischen Leidensweg hinter sich mit vielen Aufs und Abs. Und am Ende blieb dann nur die Enttäuschung mit all den überwältigenden Emotionen, mit denen sie sich allein gelassen fühlen.
Auch Frauen, die eine Fehlgeburt oder Totgeburt erlitten haben, tragen in den meisten Fällen diesen Mutter-Schmerz in sich. Schön ist, dass es hier mittlerweile schon mehr Verständnis und auch Raum für die Trauer der Betroffenen gibt. Viele Friedhöfe bieten Plätze für die sogenannten Sternenkinder an, so dass es einen Ort für die Trauer geben kann.
Oftmals tragen den Mutter-Schmerz auch Frauen in sich, die sich – meist aus gutem Grund – bewusst für eine Abtreibung entschieden haben. Auch bei ihnen bleibt meist eine Leere und Traurigkeit zurück, mit der sie erstmal nichts anzufangen wissen und die sie auch nicht einordnen können.
Mutter-Schmerz betrifft jedoch nicht nur Frauen ohne Kinder. Auch Mütter können diesen tiefen Schmerz in sich tragen. Zum Beispiel dann, wenn Kinder den Kontakt abbrechen, Ablehnung und Distanz entstanden sind oder die Verbindung trotz aller Liebe verlorengegangen ist.
In all diesen Fällen fühlt sich das für die betroffenen Frauen wie ein Verlust an, über den sie kaum reden dürfen, weil das Umfeld oft wenig, bis gar kein Verständnis dafür hat. Somit erlauben sie es sich auch selbst nicht, diesen Verlust angemessen zu betrauern.
Warum über Mutter-Schmerz kaum gesprochen wird
Unsere Gesellschaft verbindet Mutterschaft meist mit Glück, Erfüllung und bedingungsloser Liebe. Die traurigen, schmerzhaften und komplizierten Seiten von Mutterschaft haben dagegen nur wenig Raum.
Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch erleben häufig gut gemeinte Ratschläge statt echtes Mitgefühl. Manchmal werden sie sogar angefeindet. Betroffene berichteten, dass ihnen vorgeworfen wurde, dass sie egoistisch, karrieregeil und oberflächlich seien und sie, weil sie keine Kinder haben, nicht den notwendigen Teil zur Gesellschaft beitragen.
Mütter, deren Kinder den Kontakt abgebrochen haben, schämen sich oft für ihre Situation. Sie geben sich selbst die Schuld und ziehen sich zurück.
Die meisten dieser Frauen unterdrücken und überspielen ihre Gefühle, um weiter funktionieren zu können. Sie kümmern sich um andere, stürzen sich in ihre Arbeit, lächeln und halten durch.
Und genau deshalb bleibt Mutter-Schmerz oft unerkannt – selbst im engsten Umfeld.
Mutter-Schmerz ist mehr als ein unerfüllter Kinderwunsch
Vielleicht ist das sogar der wichtigste Punkt überhaupt, denn Mutter-Schmerz bedeutet nicht nur ein Kind zu vermissen, es geht um etwas viel Tieferes: Um eine Liebe, die keinen entsprechenden Ort hat.
Wenn der natürliche Mutter-Kind-Liebesfluss unterbrochen wird – sei es durch Verlust, durch ungewollte Kinderlosigkeit, aufgrund von Kontaktabbruch oder emotional entfremdeten Familienbeziehungen hinterlässt das Spuren im Herzen begleitet von Emotionen, wie Trauer, Schuld, Scham, Ohnmacht und Hilflosigkeit. Viele Frauen beginnen dann, an sich selbst zu zweifeln und stellen dabei oft auch ihr „Frausein“ infrage und fühlen sich als Versagerin. Doch Mutter-Schmerz ist kein Zeichen von Versagen oder Schwäche – ganz im Gegenteil – er ist Ausdruck einer tiefen Liebesfähigkeit.
Heilung beginnt mit Würdigung
Viele Frauen versuchen jahrelang diesen Mutter-Schmerz irgendwie loszuwerden. Sie reißen sich zusammen, finden sachliche Erklärungen, sind dankbar für alles andere in ihrem Leben. Doch Gefühle, die keinen Raum bekommen, verschwinden nicht einfach. Sie ziehen sich lediglich tiefer ins Innere zurück. Daraus können sich auch körperliche Krankheiten entwickeln, für die es keine körperliche Ursachen gibt.
Heilung beginnt selten dort, wo Schmerz verdrängt wird, sondern dort, wo er gesehen werden darf. Wenn eine Frau aufhört, sich für ihre Sehnsucht zu schämen, wenn ihre Trauer Raum bekommt und wo Mitgefühl entsteht, anstatt Selbstverurteilung kann Schmerz integriert werden.
Vielleicht hast du dich beim Lesen wiedererkannt? Dann möchte ich dir sagen: Du bist damit nicht allein und deine Trauer darf Raum bekommen.
Ein erster Schritt zurück zu dir selbst
Im ersten Schritt geht es immer darum, anzuerkennen, was ist – auch dann, wenn sich das unangenehm und schmerzvoll anfühlt – was jedoch nicht bedeutet, zu resignieren. Es bedeutet vielmehr, aufzuhören gegen sich selbst zu kämpfen. Versuche doch mal, anstatt dich weiterhin dafür zu verurteilen, dass dich bestimmte Situationen traurig machen, einmal liebevoll wahrzunehmen: „Da gibt es einen Teil in mir, der sich nach Liebe und Verbundenheit sehnt.“ Erlaube dir zu fühlen, was du fühlst und in diesem Moment liebevoll bei dir zu bleiben, anstatt dich selbst zu verlassen. Wenn du nicht mehr länger gegen diesen Teil von dir kämpfst, beginnt die Integration und Transformation.
Du musst da auch nicht alleine durch. Gerne öffne und halte ich den Raum und begleite dich auf dem Weg der Integration und Transformation. Wenn du mehr darüber wissen möchtest, buche dir einfach ein erstes kostenloses und unverbindliches Orientierungsgespräch mit mir.
Ich freue mich auf dich.
Alles Liebe
Deine Sylvia
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